Waschen von Reinigungstextilien

Ein ökologisches und soziales Projekt wirtschaftlich umgesetzt.

Im Sommer dieses Jahres investierte ein Lübecker Dienstleistungsunternehmen in seiner Kieler Niederlassung in neue Waschtechnik mit der dazugehörigen Infrastruktur und damit in eine bemerkenswert soziale Maßnahme. So entstand in den letzten Monaten ein ökonomisches, ökologisches und soziales Projekt, das in seinen Ausmaßen und Wirkung seinesgleichen sucht.

Als Holger Graf zum Jahresanfang die Leitung der Bockholdt- Niederlassung in Kiel übernahm, fand er auf engstem Raum eine in die Jahre gekommene und äußerst störanfällige Waschtechnik vor. Zu oft waren die zuständigen Servicetechniker der früher genutzten Waschmaschinen zu Gast. Dazu stapelten sich in den Werkräumen mit Mopps und Tüchern gefüllte, unsortierte blaue Müllsäcke, deren Inhalte nur mit großem Aufwand vorsortiert und verarbeitet werden konnten. Letztendlich standen Aufwand und Arbeitsergebnis in keinem guten Verhältnis.

So kam es nicht von ungefähr zur großen Unzufriedenheit bei den in diesem Bereich tätigen Mitarbeitern. Holger Graf erkannte schnell, dass dies in der Summe mehr Qual als Lust an der Arbeit hervorrief, und entschloss sich, die Situation nachhaltig verändern zu wollen. Nachdem er für sein Vorhaben grünes Licht von der Geschäftsführung in Lübeck bekam, ergriff er die weitere Initiative und kontaktierte im ersten Schritt Schneidereit Professional.

Inklusion im Industriebetrieb

Zur gleichen Zeit lernte Graf auf einer Veranstaltung des Handelsund Industrieparks Kiel-Wellsee e.V. Mo Kay vom Werkforum Kiel kennen, die dort in einem Vortrag ihre gemeinnützige Organisation vorstellte. Da für ihn bereits feststand, die Organisation und das Handling der Waschprozesse zukünftig outzusourcen, war für Graf schnell klar, hier den richtigen Partner für sein nachhaltiges Konzept gefunden zu haben. Er entschloss sich, auch das Werkforum in sein Konzept miteinzubinden.

Das Werkforum ist ein Angebot für Menschen mit einer psychischen Erkrankung, die nicht oder noch nicht auf dem ersten Arbeitsmarkt beschäftigt werden können. Neben der Beschäftigung in den Werkstattbereichen wie Nähmanufaktur, Flecht- und Knüpferwerkstatt oder Design haben diese Menschen die Möglichkeit, in Betrieben auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt über einen längeren Zeitraum zu arbeiten. Dabei werden sie von den Mitarbeitern des Werkforums betreut. Graf war vom Inklusionskonzept des Werkforums mehr als überzeugt, sodass inzwischen unter der Betreuung des Werkforums Kiel jeweils zwei Menschen in zwei Schichten bei Bockholdt im Wäschereibetrieb arbeiten.

Die Infrastruktur komplett erneuert

Die generelle Planung begann im April dieses Jahres infolge eines ersten Treffens von Holger Graf mit Schneidereits Key-Account- Manager René Friedrich. Man besichtigte gemeinsam die Räumlichkeiten und war sich daraufhin schnell einig, dass grundsätzlich alles infrage gestellt werden müsste. Dieses Gespräch sollte Grundlage zur Ausarbeitung eines ersten Konzeptes sein. Von Anfang an war klar, für das Waschen der wöchentlichen Menge von 8.000 Wischbezügen ein System mit reiner und unreiner Seite zu implementieren, um so das Be- und Entladen der Wäsche in zwei getrennten Räumen durchführen zu können.

Die ermittelten Kennzahlen zum Zu- und Abwasser sowie des Stromverbrauchs der geplanten Waschmaschinen und Trockner machten deutlich, dass es Handlungsbedarf für die seinerzeit zu schwach ausgelegten Stromleitungen oder für die Kapazität der Abwasserleitungen gab. Infolgedessen wurde mit den Kieler Stadtwerken die Leistung des Stromnetzwerkes auf insgesamt 3 × 250 Ampere ausgebaut, sodass auch jetzt noch ein von Bockholdt neu angeschaffter Opel Ampera-e „betankt“ werden kann.

Ebenfalls war das Abwasserkonzept eine besondere Herausforderung. Um mit den Abwassermengen der insgesamt vier geplanten Waschmaschinen die Abwasserleitungen nicht zu überlasten, installierte man nach den Berechnungen von René Friedrich ein sogenanntes Kaskadensystem, das nunmehr die Wassermengen dosiert und geregelt in den Kanal bringt.

Pünktlich zum angepeilten Projektstart gingen am 25. August 2017 drei Waschmaschinen à 14,7 und eine Waschmaschine mit 7,7 Kilogramm Fassungsvermögen vom Typ MoppWash sowie zwei Trockner EcoDry mit 19,7 und ein Trockner EcoDry mit 7,7 Kilogramm Volumen von Schneidereit Professional in Betrieb. Mopps und Tücher werden nach einem von Schneidereit Professional und Bockholdt entwickelten Workflow angeliefert, gewaschen und getrocknet.

Bereits im Objekt befüllen die Reinigungskräfte spezielle Waschnetze mit den schmutzigen Textilien. Die Waschnetze sind mit einem im Werkforum Kiel angenähten Label ausgestattet, das Informationen wie Kundenname oder Objektadresse enthält und darüber hinaus wasser- und chemiefest beschriftet ist. Die Befestigung der Labels und die Art der Beschriftung bedurften laut Holger Graf einer längeren Testphase, um das Ausbleichen des Textes und das Ablösen der Labels auszuschließen. „Was auf den ersten Blick einfach erschien, war dann doch komplizierter als gedacht“, ergänzt Graf. Dies wurde aber letztendlich gut gelöst.

Waschmittel biologisch abbaubar

Seit der Umstellung fährt der Tourenfahrer von Bockholdt, im Übrigen ein syrischer Flüchtling mit guten Deutschkenntnissen, regelmäßig die einzelnen Objekte an und bringt die mit der Schmutzwäsche befüllten Netze zum Standort in der Kieler Liebigstraße. Die Einarbeitung und die Führung des Bedienpersonals der Waschmaschinen übernahm das pädagogische Fachpersonal des Werkforums Kiel Solveig Böning und Svenja Hansen.

Inzwischen hat sich alles soweit eingespielt, sodass die Teams nahezu autonom arbeiten können – was Holger Graf lobend herausstellt. Nach der Anlieferung werden zunächst die Netze vom Personal des Werkforums aus den Transportsäcken entnommen und in Boxen vor der Wäscherei zwischengelagert. Je nach Auslastung folgt anschließend die Beladung der Waschmaschinen. Danach startet das Waschprogramm, um die Schmutzwäsche, inklusive der Netze, nach den von Schneidereit Professional vorprogrammierten Prozessen zu waschen. Elektronisch gesteuerte Dosierpumpen sorgen dafür, dass die Waschmittelmenge über den ganzen Waschvorgang hinweg exakt gleichbleibt und keinen Schwankungen unterliegt.

Auch an die Qualität und Umweltverträglichkeit der Waschund Desinfektionsmittel wurden höchste Ansprüche gestellt. In enger Zusammenarbeit zwischen René Friedrich und Dennis Senkpaul, Tana-Chemie, entstand ein auf die Bedürfnisse des Kunden zugeschnittene perfekte Kombination von Wasch- und Desinfektionsmitteln (Activ liquid, Flüssigwaschmittel; System alca, flüssiger alkalischer Waschkraftverstärker; Apesin oxydes, Wäschedesinfektions- und Bleichmittelzusatz), teilweise aus erneuerbaren Rohstoffen; die Waschmittel sind vollbiologisch abbaubar.

Um die Richtlinien des RKI (Robert Koch-Institut) zur Desinfektion 100-prozentig zu erfüllen, wurde von Schneidereit Professional das spezielle Medic-Programm entwickelt und sorgt damit für garantierte Temperaturhaltezeiten, unterbrechungsfreie Waschprogramme und eine automatische Dosierung der Wasch- sowie Desinfektionschemie. Die Maschinen der EasyMopp-Reihe sind besonders anwenderorientiert konstruiert und werden mit nur je einem Bedienknopf für die Mopp- oder Tuchwäsche gestartet. Die vorgeschriebene Temperaturhaltezeit bleibt im Laufe des Desinfektionsprozesses konstant, kann nicht unterschritten werden und ist von außen nicht manipulierbar. Dazu arbeiten die Maschinen mit dem neuesten Energiesparprogramm von Schneidereit Professional, mit dem der Strom- und Wasserverbrauch um bis zu 40 Prozent gesenkt werden können.

Wärmepumpentechnologie reduziert Stromverbrauch

Nach der desinfizierenden Wäsche entnehmen die Teams des Werkforums die befüllten Netze aus den Maschinen. Dann kommen die Netze über eine Durchreiche von der unreinen auf die reine Seite der Wäscherei und wandern anschließend in die Trockner. Mit dem Einsatz der Wärmepumpentrockner EcoDry wird die saubere Prozesskette des Waschens abgerundet. Nach dem Trocknen werden die mit den Adresslabels ausgestatteten Netze in Regale zwischengelagert, um später von Bockholdts Tourenfahrer wieder in die Reinigungsobjekte gebracht zu werden.

Die Methode der Wärmepumpentechnologie ermöglicht die Reduktion des bisherigen Stromverbrauchs um bis zu 80 Prozent. Ein weiterer Grund für den Einsatz dieses umweltfreundlichen Verfahrens ist die signifikante Senkung des Kohlendioxidausstoßes. Die Maschinen sind derart konstruiert, dass keine bauseitige Zu- und Abluftinstallation mehr notwendig ist, die extrem teuer sein kann. Der Gesamtverbrauch aller Maschinen, also Waschmaschine und Trockner, liegt in der Vollauslastung laut Schneidereit Professional nur noch bei 51,4 Kilowatt pro Stunde.

Unterhalten wird die Technik mit dem 360°-Mietmodell von Schneidereit Professional. Hierbei handelt es sich um ein „Rundum- sorglos-Paket“, das den Kunden von allem vorhersehbaren und unvorhersehbaren Aufwand finanziell und organisatorisch befreit. Sollte Bockholdt im Betriebsablauf einmal technische Unterstützung benötigen, wird die Betriebsbereitschaft der Technik von Schneidereit Professional innerhalb von 24 Stunden wiederhergestellt. Auch die Kosten für Bedienungsfehler oder vermeidbare Reparaturen sind inkludiert. Zusammenfassend ist festzustellen: In Kiel wurde in ein Projekt realisiert, auf das alle Beteiligten stolz sein können und dem man weiterhin viel Erfolg wünscht.